Über uns, Hütten

Wegebau bei der Niederelbehütte (Teil 2)

Im letzten Jahr wurden die ersten Planungen zum Thema Wegebau im Verwall angefangen. Um eine möglichst große Gruppe zusammenzubekommen wurde ein Anreiz geschaffen. Nach Schweizer Vorbild wurde aus dem Wegebau ein Work & Climb (Arbeiten und Klettern). Mit dem Vorstand wurde ein Finanzierungskonzept für diese Maßnahme erarbeitet. Das Ergebnis war eine Mischung aus 5 Tage Wegebau und 3 Tage Klettern. Dieses Angebot wurde von den Jugendlichen mit Begeisterung angenommen und die begrenzte Anzahl von Plätzen war in kurzer Zeit ausgebucht.

Work & Climb

Als Klettergebiet wurden die Felsen um die Bergseehütte in den Urner Alpen ausgewählt. Die Routen sind dort Plaisir gebohrt und somit bestens geeignet Plastikkletterern den Einstieg in alpine Mehrseillängentouren zu ermöglichen. Jedoch vor dem Vergnügen stand die Arbeit.

Nach diversen Vorbereitungstreffen, die nicht nur organisatorische, sondern auch theoretische und praktische Inhalte zum Thema hatten, rückte der Reisetermin näher. Durch private Termine konnte ich am "Work" nicht teilnehmen, jedoch die Betreuung vor Ort war sicher gestellt. Karen, Patric und Thorben hatten die Zügel fest in den Händen.

Die Jugendlichen hatten viel Spaß an der Arbeit und waren mit Begeisterung dabei, das Wegenetz im Hüttenbereich der Niederelbehütte auszubessern (s. Bericht Michael Wolter).

Nach Tagen der Arbeit ging es nun zum Klettern. Die Gruppe sammelte mich in Pians ein und zügig ging es zum Tagesziel nach Göschenen. Mit den 2 Bussen ging es zügig auf den Parkplatz unterhalb der Bergseehütte. Umpacken der Sachen und dann zog die Karawane los. 600 HM waren noch zu bewältigen und pünktliches Erscheinen zum Abendessen war erklärtes Ziel. Beim ersten Stop wurden die ersten Wunden versorgt und einiges Material kurzerhand umgeschichtet. Bei strahlendem Sonnenschein ging es weiter, der Hütte entgegen. Rechtzeitig vor dem Essen waren wir dort und hatte sogar noch Zeit, das Zimmer zu beziehen. Nach dem Essen haben wir noch einen Rundgang in die nähere Umgebung gemacht und schon mal ersten Kontakt zu Fels beim Bouldern aufgenommen. Der Wetterbericht für den nächsten Tag versprach Sonnenschein ohne Ende. Frühstück, Materialcheck und dann los zum Klettern. Erst einmal die Familien- und Jugendrouten, bei denen die Leiter über die Grünflächen zu den Standplätzen gehen können und das Geschehen in Augenschein nehmen können. Schnell gewöhnten sich die meisten Teilnehmer an die anderen Materialeigenschaften und Umgebungseinflüsse. Keine bunten Griffe, dafür pieksendes Grün; persönliche Einstufung der Routenbewertungen und ein Fels mit hohen Reibungswerten. Nach einem ausgiebigen Klettertag wurde nach dem Essen schon das Ziel für den nächsten Tag festgelegt, die Vorbauten (3-4 Seillängen) und schon einmal die Topos geblättert. Patric und Dennis planten für den nächsten Tag den Südgrad und packten Minimalausrüstung ein, um die Zeit von 1 Stunde zu unterbieten und so ein Spezi zu gewinnen. Am nächsten Morgen herrsche Nebel. Patric und Dennis starteten schon vor dem Rest der Gruppe und hatten ein Walki-Talki mit. Leider sollte eine Nachfrage der letzte Einsatz von Patrics Walki gewesen sein. Walki sprang 120m in die Tiefe und hat seitdem Funktionsstörungen. An den Vorbauten teilten sich die Seilschaften auf die verschiedenen Routen auf und begannen zu klettern.

In eine der leichten Routen stieg vor mir eine Seilschaft ein. Nachdem die beiden Mädel nicht mehr zu sehen waren, machte auch ich mich auf den Weg in der gleichen Route. Nachdem ich die ersten Meter durchstiegen war, wurde ich von oben angesprochen und um Unterstützung gebeten. So versammelten sich zwei Seilschaften am nächsten Standplatz und ich machte mich weiter auf den Weg in die nächste Seillänge und holte dann den Rest nach. Karen wurde zwischenzeitlich abgelassen, um an anderer Stelle helfen zu können. Sichtweiten zwischen 10-50m machten das Ganze zu einer interessanten Kletterei.

Am Ende der Route angekommen, wurden die Seilschaften teilweise neu gemischt und weitere Routen beklettert. Gegen frühen Nachmittag verhinderte einsetzender Regen das weitere Klettern und wir kehrten zur Hütte zurück. Patric musste eingestehen, dass das Spezi in weiter Ferne lag, vielleicht beim nächsten Mal.

Ein weiterer Tag an den Vorbauten, diesmal mit Sonnenschein, und so konnten alle sehen, was sie am Vortag geklettert waren und heute klettern wollten. Ein Tag mit viel Kletterspaß und interessanten Vorstiegsaufgaben ging vorbei und in der abendlichen Besprechung für den nächsten Tag wurde von zweien der Wunsch geäußert den Südgrad (10 Seillängen) zu gehen. Nach Wetterprognose und Rücksprache mit dem Hüttenwirt wurde für den nächsten Tag der Ablauf festgelegt. 5.00 aufstehen, 6.00 Abmarsch zum Einstieg. Die beiden wurden von mir pünktlich geweckt und der Tag startete wie geplant. Um 6.45 Uhr stiegen die beiden in die erste Seillänge ein. Bis zum Erreichen des ersten Standplatzes blieb ich dabei und kehrte anschließend zur Hütte zurück. Der Rest der Gruppe war schon am Frühstückstisch versammelt. Die Gruppe ging anschließend zum Hüttenfels und war dort mehr oder weniger aktiv. Einige nutzten das schöne Wetter zum Relaxen und Sonnenbaden. Gegen Mittag war unsere Aktivseilschaft auf dem Gipfel angelangt und machte sich an den Abstieg. Gegen Nachmittag zogen dicke Wolken auf und leichtes Grollen lies nichts Gutes verheißen. Die letzte Seilschaft brach ihre Tour ab und ging auf kurzem, steilem Weg zur Hütte zurück. Bald darauf fing es in Strömen an zu regnen und wieder ging ein erlebnisreicher Tag zu Ende. Am nächsten Morgen zog die Karawane im Nebel an den Seefels. Kurze 1 Seillängen Touren, die man auch als Toprope einhängen konnte, fanden auch bei grauem Wetter Anklang und Begeisterung. Die sonstigen Vorsteiger konnten hier auch mal Routen testen, die am oberen Kletterlimit waren. Gegen Mittag konnten wir unter Anleitung zweier Bergführer den Flying Fox über den Bergsee ausprobieren. Juhuuuuuu, das war ein Spaß und so manch einer machte das Ganze noch einmal. Das Wetter lies bei einigen die Klettermotivation sinken und so kehrten sie schon vorzeitig zur Hütte zurück.

Dort waren bereits die Hochtourengeher Thorben, Martin und Thomas angekommen. Diese haben anstatt des Kletterns Hochtouren auf das Brunegghorn und das Bishorn von der Turtmannhütte aus unternommen. Thorben und Martin machten sich noch auf den Weg zum Seefels, um mit den anderen zu klettern.

Das Wetter zeigte sich am nächsten Morgen regnerisch und so mussten wir in der Hütte auf besseres Wetter warten. Gegen Mittag war der Fels endlich soweit abgetrocknet, dass wir wieder zum Klettern gehen konnten. Da am Vortag die Routen noch nicht erschöpfend durchstiegen waren sind wir noch einmal zum Seefelsen gegangen und haben dann bei Sonnenschein unseren letzten Klettertag genossen. Am Abend wurden alle Sachen gepackt und somit stand der zeitigen Abreise am nächsten Morgen nichts mehr im Wege. Zeitig brachen wir am Morgen auf, erst der Abstieg und anschließend in die Autos. Mit einem Abstecher über Feldkirch, wo wir Thorben und Tim verabschiedeten, ging es zurück nach Hamburg. Nach nahezu staufreier Rückfahrt trafen wir gegen 21.00 Uhr in Hamburg ein. Nachdem wir alle Jugendlichen wohlbehalten zurückgeliefert hatten, mussten wir nur noch das Jugendmaterial auspacken und die Leihwagen zurückbringen. Damit hatten aufregende Tage ihren Abschluss gefunden, die im hoffentlich nächsten Jahr eine Neuauflage erfahren.

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