Gletscher ohne Futter!
Wie dramatisch sich die Erwärmung in den Alpen auswirkt, erlebten die Teilnehmer des DAV-Akademie-Kurses Klimawandel und Bergsport.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf Bergwelt und Bergsport hatte ein Seminar im Rahmen des DAV-Akademie-Programms zum Inhalt, das vom 01. bis 03. August 2008 in den Ötztaler Alpen stattfand und von Dr. Thomas Geist (Glaziologe, Universität Innsbruck) und Manfred Scheuermann (DAV, Ressort Natur- und Umweltschutz) geleitet wurde. Das brisante Thema lässt sich kaum anschaulicher als in den Ötztaler Alpen vermitteln, wo oberhalb von Vent drei große Gletschersysteme seit Jahrzehnten erforscht werden.
Der Hintereisferner unter der Weißkugel hungert seit 23 Jahren! Seitdem schmilzt jedes Jahr mehr Eis ab als sich neues bilden kann. Das Abschmelzen hat sich sogar beschleunigt: Dem heißen Sommer 2003 ist fast der ganze Firnköper des Gletschers, damit sein Nährgebiet, zum Opfer gefallen. Der helle Firn reflektierte die Sonnenstrahlen und schuf durch Druck und Umwandlung neues Eis. Ohne Firn kann sich der Geltscher nicht ernähren und die Sommersonne setzt dem blanken dunkleren Eis viel stärker zu. Seit 2001, in nur sieben Jahren, hat die Gletscherzunge des Hintereisferners um ganze 30 m an Höhe verloren und sich um gut 200 Meter nach oben zurückgezogen!
Wie sich die Erwärmung unmittelbar auf das Bergsteigen auswirkt, erlebten die Teilnehmer des Kurses hautnah: Zur Messstation auf der Gletscherfläche waren rauschende Bäche zu überqueren; totes von Schutt und Schlamm bedecktes Eis mit groben, wackeligen Blöcken erschwerten den Zustieg. Wie es weiter oben aussieht, beschrieb der Wirt des Hochjoch-Hospizes und Bergführer, Thomas Pirpamer: Die Übergänge werden immer schwieriger, das Eis geht zurück, Platten und steile Schrofen kommen zum Vorschein, Spalten und Bergschründe apern aus. Hochtouren erfordern heute eine noch sorgfältigere Planung. Damit seien in den Sommermonaten nicht mehr so viele Alpinisten wie früher unterwegs, was jedoch durch die gestiegene Anzahl Wanderer mehr als ausgeglichen würde.
An der Fortbildung zum Klimawandel nahmen Vorsitzende, Naturschutzreferenten und Übungsleiter verschiedener DAV-Sektionen teil. Beim Resümee waren sie sich einig: Es genüge nicht, vergleichende Fotos von Gletschern anzusehen, die hätte man schnell wieder vergessen. Bleibende Eindrücke hinterließen erst die Stunden an und auf der Gletscherzunge, das tote Gletschertor, Schutt, Schlamm und Moränen. Wer das erlebt und verstanden habe, sei am ehesten bereit, sich persönlich für den Klimaschutz zu engagieren. Einige der Teilnehmer planen, in Kürze wiederzukommen, um das Gelernte an Mitglieder ihrer Sektionen weiterzugeben.





