Bericht 2016

 

Da musst du dich jetzt einfach mal trauen!

Jeder kennt diesen Moment: Man hängt in einer schweren Route, weiß nicht wie es weitergeht und der Sicherungsmann ruft einem Tipps zu, die einen in etwa so weit bringen, wie ein rostiger Fiat Panda mit defekter Kurbelwelle. „Einfach hochtreten“ gehört dabei noch zu den sinnvolleren Kommentaren, die der geneigte Kletterer zu hören bekommt. „Versuch’s doch dynamisch“ oder „jetzt mal explodieren“ sind hingegen Aussagen, die an Blödheit kaum noch zu übertreffen sind. Himmelfahrt dieses Jahres lernten wir im Elbsandsteingebirge eine weitere Variante dieser Zurufe kennen: In Sachsen wird nicht dynamisch geklettert oder explodiert, dort ist „da musst du dich jetzt einfach mal trauen“ der Satz, den man klassischer Weise in einer prekären Lage zu hören bekommt. Und das sagt viel über das Klettergebiet aus.

Schon zum vierten Mal sind wir dieses Jahr nach Hohnstein zum Treffen junger Bergsteiger gefahren, einer Mischung aus Klettertreffen und freundschaftlichem Wettkampf. Nachdem wir bereits am Mittwoch angereist sind, geht es donnerstags dann mit den technischen Stationen richtig los. Die antretenden Zweierteams sammeln nämlich nicht nur in Kletterrouten Punkte für die Gesamtwertung, sondern auch in diversen anderen Disziplinen. Wir sind dieses Jahr nur mit zwei Teams am Start. Jonna und Niclas treten in der AK 3 an, also in der Altersklasse für 14-15 Jährige, während Cora und ich, da wir nun 18 sind, erstmals in der AK 5 starten.

Deshalb warten auf uns neue Herausforderungen, wie zum Beispiel eine Bergrettungsstation. Bei dieser muss eine andere Teilnehmerin aus einer Wand geborgen und zu Boden gebracht werden, die eine verletzte Kletterin darstellt. Ebenfalls neu ist für uns das sogenannte „Jümarn“, bei dem wir auf Zeit an einem Fixseil mit Hilfe zweier Steigklemmen aufsteigen müssen.

Während diese Stationen lediglich in der höchsten Altersklasse vorkommen, wird von sämtlichen Teilnehmern Expertise auf den Gebieten „Erste Hilfe“ und „Standplatzbau“ verlangt. Ähnlich wie bei der Bergrettung helfen bei der Ersten Hilfe freiwillige Darsteller dabei die Situation so realitätsnah wie möglich zu simulieren. Wir werden damit konfrontiert vier Verletzte eines Autounfalls zu versorgen. Dass drei davon bewusstlos sind und sich die Vordertüren des munter vor sich hin qualmenden Autos nicht öffnen lassen, macht die Sache dabei nicht gerade einfacher. Der Aufbau der Station ist mit einem präparierten Auto und geschminkten Wunden bei den Darstellern sehr aufwändig und plastisch gestaltet.

Beim Standplatzbau ist dagegen etwas mehr eigene Vorstellungskraft gefragt. Ein schlichtes Holzbrett mit verschiedenen Haken stellt nacheinander das Elbsandsteingebirge, die Dolomiten und ein alpines Sportklettergebiet dar. An die wechselnden Bedingungen angepasst müssen wir dort zeigen, dass wir verschiedene Varianten des Standplatzbaus, wie zum Beispiel die Reihenschaltung oder das Kräftedreieck, beherrschen. Für Jonna und Niclas stehen außerdem das Halten eines ins Seil fallenden Gewichts sowie eine typisch sächsische „Schlingen und Knoten Station“ auf dem Plan, bei der unter anderem gefragt ist, eine Rundschlinge mit einem Achterknoten sozusagen als „Klemmkeilersatz“ in einen Riss zu legen.

Da in der AK 5 nur geschlechtsgemischte Teams zugelassen sind und wir für Marvin und Janosch keine passende Partnerin finden konnten, sind die beiden diesmal als Kampfrichter dabei. Als solche helfen sie jeweils dabei den Ablauf einer Station sicherzustellen, Punkte für die verschiedenen Teams zu geben und, wenn es mal nicht ganz so viele davon waren, zu erklären, wie man es hätte besser machen können. Auf diese Weise lernen die Teilnehmer sehr viel, gerade dann, wenn sie an Stationen nicht so gut abschneiden, wie auch Cora und ich teilweise feststellen können.

Am Abend proben wir dann mit der Gruppe einen kleinen Sketch. Am letzten Wettkampftag findet nämlich der traditionelle Kulturwettstreit statt, bei dem die Gruppen kreativ werden können und unterschiedlichste Beiträge auf die Bühne bringen. Im letzten Jahr konnten wir sogar den „Goldenen Tommi“, den Wanderpokal für den besten Beitrag, gewinnen und wollen diesen natürlich verteidigen. Wenn es im normalen Wettkampf nicht für einen Platz auf dem Treppchen reicht, dann halt mit der Kultur! Unsere Idee für dieses Jahr ist den „Herrn der Ringe“ als Kletterstück zu spielen. Der Hobbit Frodo muss dabei einen Sicherungsring, der vor Jahren durch den dunklen Herrscher Sauron von der Nachträglichen Ringkommission aus einer Route entfernt wurde, wieder anbringen. Sein Weg führt ihn dabei tief ins Lande Sachsen, wo die Risse droh’n.

Am nächsten Tag steht dann Klettern auf dem Programm. Wir fahren ins Schmilkaer Gebiet, wo jeder Teilnehmer vier Wege klettern muss. Zunächst einmal warten zwei Pflichtwege auf uns, die typische sächsische Risse sind. Wir beißen die Zähne zusammen und klemmen uns beherzt in die klaffenden Schlünde, finden aber den sächsischen Grundsatz „aus Rissen kann man nicht rausfallen, da kann man höchstens reinkotzen“ nur bedingt bestätigt. Die Wahlwege, bei denen wir die Schwierigkeit im Vorhinein selbst auswählen konnten, gehen deutlich besser. Risse erwarten uns hier nur noch auf Teilstücken, dafür mehr Wand- und vor allem Reibungskletterei.

Der letzte Tag vor der Abreise läuft dann überraschend gut. Jonna und Niclas müssen bei einem Orientierungslauf ihre Fähigkeiten mit Kompass und Karte beweisen und im Wald versteckte Punkte finden. Dabei erreichen sie eines der besten Ergebnisse ihrer Altersklasse. Cora und ich werden mit einem kleinen Quiz über das Elbsandsteingebirge, Sicherungstechnik und Naturschutz getestet. Völlig unerwartet erreichen wir die höchste Punktzahl.

Anschließend geht es für uns ans „freie Klettern“, bei dem wir selber vorsteigen müssen. Da wir das im Elbsandsteingebirge beide bisher noch nie getan haben, bekommen wir zwei Kampfrichter zur Seite gestellt, die uns Tipps geben, Routen zeigen, die sich für Vorstiegsneulinge eignen und dafür sorgen, dass wir uns nicht direkt ins Krankenhaus manövrieren. Eine großartige Unterstützung, für die wir ausgesprochen dankbar sind. Auf diese Weise steigen wir tatsächlich unsere ersten beiden Wege im Elbsandsteingebirge selber vor und tragen uns glücklich in das Gipfelbuch ein, welches auf jedem sächsischen Gipfel zu finden ist. Auf dem Weg dahin lehrt uns die Sicherungssituation jedoch gründlich das Fürchten. Ein wackeliger Quergang zehn Meter über dem Boden, mit einer Sanduhr als einziger Sicherung, die auch schon ein gutes Stück unter einem liegt, will erstmal bewältigt sein, obwohl so etwas in Sachsen wahrscheinlich noch als Bouldern durchgeht. Doch dann kommt ja der rettende Kommentar vom Boden: „Da musst du dich jetzt einfach mal trauen“. Ach, wenn das so ist, ist das natürlich überhaupt kein Problem.

Die Zeit ist wieder wie im Flug vergangen und schon ist der letzte Abend erreicht. Wir bringen unseren Sketch zur Aufführung und können tatsächlich erneut den Wanderpokal gewinnen. Wir bekommen viel positive Rückmeldung und freuen uns den Goldenen Tommi wieder mit nach Hamburg nehmen zu dürfen.

In die Top 5 des eigentlichen Wettbewerbs haben wir es wie erwartet leider nicht geschafft, aber dafür gibt es als Trostpreis für alle, die das Podium verpasst haben, eine sachsentypische Knotenschlinge. Scheinbar sind die Veranstalter der Meinung, die eine oder andere zusätzliche Zwischensicherung könnte den Hinterbänkler-Teams nicht schaden. Ich nehme sie jedenfalls gerne und hänge sie zu den Schlingen aus den letzten Jahren. Noch ein, zwei Jahre Teilnahme am Treffen junger Bergsteiger und ich habe ein ganzes Set zusammen.

Am Sonntag geht es dann schon wieder auf die Autobahn und nach Hause. Was bleibt, wenn ich nun auf das Himmelfahrtswochenende zurückblicke? Neue Erfahrungen, viel Gelerntes, nette Leute, die wir kennengelernt haben und vor allem sehr viel Spaß. Wir kommen auf jeden Fall wieder!

Im Lande Sachsen, wo die Risse drohn!

46. Treffen junger Bergsteiger auf der Burg Hohnstein in Sachsen.

Mittwochs, den 04.05.2016, wir brechen zum vierten Mal in Folge mit unserem Vereinsbus nach Sachsen auf. Die wichtigste Aufgabe ist diesmal die Verteidigung des „Goldenen Thommy“. Dies ist der Wanderpokal des Kulturwettbewerbes beim Bergsteigerwettkampf. Dieses Mal treten zwei Seilschaften an: Cora und Robert in AK 5, sowie Jonna und Niclas in AK 3. Janosch und Marvin haben sich diesmal als Kamprichter gemeldet. Als Betreuer sind wieder Jörg und Rike dabei. Die Anreise verläuft recht unspektakulär, allerdings in ein verregnetes Sachsen. Wir, die Teilnehmer mit der weitesten Anreise, sind die ersten auf der Burg. Wieder haben wir Glück und bekommen im Hotelbereich der Burg zwei 4er Zimmer zugewiesen.

Donnerstag, der erste Wettkampftag, startet auf dem Burggelände. Es gibt Stationen wie Materialkunde, Schlingen und Knoten, Selbstrettung, Sturz halten für unser AK 3 Team (Altersklasse 3 = 14-16 Jahre) und für die AK 5 (Altersklasse 5 = 18-26 Jahre) BUD Bergunfalldienst, Erste Hilfe, Jümarn und Standplatzbau. Mit viel Ruhe und Engagement vermitteln hier die Kampfrichter ihr Wissen und sorgen dafür, dass die Teilnehmer dazulernen und mehr Sicherheit gewinnen. Unsere jungen Kampfrichter Janosch und Marvin durften bei der Station „Sturz halten“ AK 1 (Altersklasse 1 = 10-12 Jahre) und AK 3 mitwirken.

Freitag, zweiter Wettkampftag: Es geht mit Sonnenschein an die Felsen. Hier wird früh um 06:00 Uhr mit dem Frühstück gestartet. Die Kampfrichter müssen noch früher los und kommen auch erst nach allen anderen wieder zur Burg zurück. Schließlich müssen für alle 120 Teilnehmer die Routen eingerichtet und abgesichert werden. Betreuer und Teilnehmer werden mit Bussen bis Schmilka gebracht, von wo aus uns dann ein 30min Fußmarsch zu den vorgegebenen Felsen bringt. Zwei Pflicht- und zwei Wahlwege sind von jedem Teilnehmer zu klettern. Diesmal gab es hauptsächlich Risse zu erklimmen. Nicht nur wir Nordlichter hatten da so unsere Schwierigkeiten. Niclas hat hier aber alle Wege gut gemeistert und auch sehr gute Stilbewertungen bekommen. Denn in Sachsen wird auch sauberes Treten, Greifen, schöner Kletterstil und Kletterfluss mitbewertet.

Samstag, dritter Wettkampftag: Der Tag beginnt für unser AK 3 Team mit Erster Hilfe und dann mit einem OL Lauf. Hier sind wir auch mal vorne dabei! Auch beim Fragebogen, den beide Teams ausfüllen müssen, glänzen wir. Unser AK 5 Team muss frei klettern, seine Routen selber aussuchen und vor allem auch selbst Absichern. Da wir mit den in Sachsen üblichen Knoten und Schlingen unerfahren sind, begleiten uns zwei Kampfrichter. Sie zeigen uns, wie in Sachsen die Routen gut abzusichern sind. Auch Marvin und Janosch dürfen mitgehen und so lernen unsere „Großen“  viel dazu. Für vordere Plätze reicht das natürlich nicht. Aber abends, vor der Siegerehrung, schlägt unsere Stunde: Der Kulturwettbewerb mit kleinen Theaterstücken der Teams. Wir verteidigen hier erfolgreich unseren Pokal. Das Publikum stimmt ab und wir dürfen den „Goldenen Thommy“ wieder mit nach Hamburg nehmen. Unsere Jugendlichen wollen auch noch einen Bericht dazu schreiben. Also lasst Euch im nächsten Heft überraschen.

Sonntag ging es dann leider mit vielen Staus heim, aber wir wollen auch nächstes Jahr gerne wieder starten. Auf diesem Wege ist auch hier wieder zu erwähnen, wie gastfreundlich wir von den Sachsen empfangen wurden und wie toll sie uns immer betreuen wenn es um lokale Aufgaben geht.

Ulrike und Jörg Koch

Bericht 2015

Unser „Goldener Tommi“

Auch dieses Jahr war die Sachsengruppe wieder beim „45. Treffen junger Bergsteiger 2015“. Gut vorbereitet startete die Gruppe mit 5 Seilschaften in drei AK`s (Altersklassen). Bedingt durch eine Verletzung, bedingt musste Janosch kurzfristig ersetzt werden. Es wurde ein Teampartner aus Sachsen gefunden. Dieses Team begeisterte nicht nur durch den Namen Robert + Robert, sondern auch durch gute Einzelleistung im Standplatzbau und der Selbstrettung hier wurde jeweils die höchste Punktzahl in der AK erreicht. Cora und Marvin versorgten an der Erste Hilfe Station vorbildlich die völlig unterzuckerte Mutter mit ihrer Tochter. Ansonsten gab es im Klettern für Niclas, Lineke und Joanne super Einzelbewertungen.

Nach drei Tagen Klettern, Erste Hilfe, Knoten und Schlingen, Standplatzbau, Selbstrettung, OL-Lauf, Sturztraining und vielem mehr endet diese Veranstaltung, wie immer, mit einem Kulturwettbewerb der Mannschaften, vor der Siegerehrung. Hier überzeugten wir das Publikum mit unserem Theaterstück „Tatort Hohnstein“ von Robert Schuppe. Der Applaus bescherte uns den Sieg in dieser Disziplin und somit haben wir den Wanderpokal „Goldener Tommi“ mit nach Hamburg gebracht.

 

Als Einleitung vor unserm Theaterstück verlas Robert noch einen kurzen ironischen Rückblick auf das Treffen von 2014:

 

 

Tagebuch von Robert Schuppe:

 

„Treffen junger Bergsteiger 2014“

Mittwochmorgen 10 Uhr:
Ich komme am DAV Kletterzentrum Hamburg an, wo wir uns mit der gruppe treffen. Die Abfahrt verzögert sich allerdings noch ein bisschen, da der DAV-Bus erstmal in die Werkstatt musste, weil die Zündkerzen defekt waren. Die letzte Gruppe, die ihn benutzte, hatte das Lenkrad mitgenommen und nur noch der erste ging Gang rein. Im Vergleich zu den letzten Jahren war er also gut in Schuss.
14 Uhr: Wir sind endlich auf der Autobahn. Da uns langweilig wird vertreiben wir uns die Zeit mit gar lustigen Spielen, wie z.B. „Schiffe versenken“, „Stadt, Land, Fluss“ oder „D-Böller auf uns überholende Autos schmeißen“, auch bekannt als „Schiffe versenken 2.0“.
Nach gefühlten drei Tagen im Auto kommen wir gegen 11 Uhr abends endlich an. Zunächst stellen wir den Bus auf den Parkplatz vor der Burg ab, dann kommt aber ein Mitglied des Orga-Teams, das uns empfiehlt ihn einfach gegen die Burgmauer zu lehnen, dann stünde er nicht so steil wie auf dem Parkplatz.
Donnerstagmorgen 11 Uhr:
Wir sind bei der Station „Knoten und Schlingen“. Der Kampfrichter verlangt einen doppelten Bullin von mir. Wie kommt der darauf, dass ich den können würde? Demonstriere ihm stattdessen, dass ich schon fähig bin mir selber die Schuhe zuzubinden. Ernte dafür mitleidige Blicke.
Freitag 10 Uhr:
Erste Hilfe Station ist angesagt. Wir sollen einen bewusstlosen Mann betreuen. Uns wird am Anfang noch schnell erklärt, dass wir für den Notruf einfach mit dem einen Kampfrichter sprechen sollen. Sowas brauchen aber nicht, wir haben unsere eigenen Methoden, die keine Notrufe beinhalten. Wir rammen dem Bewusstlosen erstmal einen Trichter in der Mund, flößen ihm eine Flasche „Tullamore Irish Dew Whiskey“ ein und kippen ihm zur Erfrischung noch ein Jever über den Kopf. Schließlich sind wir norddeutsch. Wie das Land, so das Jever, so die erste Hilfe: Friesisch herb.
Samstag 11 Uhr Pflichtweg:
Der mir vorgesetzte Faustriss ist in etwa so griffig wie eine Wasserrutsche. Und auch genauso nass in seinem Innern. Schaffe ihn natürlich nicht, stelle dafür aber einen neuen Rekord auf: Zwei Bodenstürze in gerademal dreißig Sekunden – und das im Toprope!
Samstagabend, Siegerehrung:
In einer sehr schönen Feier werden die fünf besten Teams aller Altersklassen gekürt. Norddeutsche sind leider nicht dabei, aber eine Braunschweigerin gewinnt die Kletterschuhverlosung. Somit sind auch wir irgendwie in der Siegerehrung vertreten, weshalb wir ihre außergewöhnliche Leistung feiern und besonders laut klatschen. Als es dann Trostpreise gibt, erhebt sich der norddeutsche Block geschlossen in seiner ganzen Würde und klopft sich gegenseitig für eine große Menge  10. bis 16. Plätze auf die Schulter. Wir sind stolz auf uns.
Sonntag:
Das Treffen ist wie im Flug vergangen und wir befinden uns schon wieder auf dem Rückweg. Da uns die Böller ausgegangen sind, können wir leider nicht mehr Schiffe versenken spielen. Mit Blick auf ein Seil, das unter der Rückbank verstaut ist, denken wir uns aber: „Egal, Galgenrätsel geht immer.“

 

Ulrike und Jörg Koch

Tatort Hohnstein

Tatort Hohnstein

Erzähler:              Es war ein schöner Spätnachmittag im Frühling. Die meisten Vögel zwitscherten schon im Wald und die meisten Kletterer zwitscherten schon in der Kneipe. Doch eine kleine Seilschaft leistete unbeugsam Wiederstand und hatte sich fest vorgenommen jede Minute Tageslicht zum Klettern zu nutzen.

1. Kletterer:       Was könnten wir denn nochmal machen?

2. Kletterer:       Hm, mal überlegen. Hier die Kante hoch ist ein schöner Weg. Den könntest eigentlich auch du vorsteigen.

1. Kletterer:       Meinst du wirklich, das sieht ganz schön schwierig aus?

2. Kletterer:       Ach was, das bringst du, das ist nur ne IV oder so.

1. Kletterer:       Na gut, wenn du meinst. Er zieht sich den Gurt an und klettert los. Der 2. Kletterer sichert. Oh Mann, ist das steil! Klettert weiter. Und wo kann man sich hier mal sichern?

2. Kletterer:       Musst mal gucken, ob du irgendwo ne Schlinge findest.

1. Kletterer:       Nee, hier gibt es nichts. Bist du sicher, dass das ne IV ist, ich stehe total Scheiße.

2. Kletterer:       Ich kann noch mal kurz im Führer nachgucken, wenn du willst.

1. Kletterer:       Bloß nicht, dann bin ich während dessen ja ungesichert!

2. Kletterer:       Das bist du sowieso.

1. Kletterer:       Stimmt auch wieder.

2. Kletterer:       Oh, das ist doch keine IV. Ja also du befindest dich jetzt an der Westkante VIIIc. Die hat noch ein Ausrufezeichen, für ungenügende Sicherung und das Prädikat „brüchig“ bekommen.

1. Kletterer:       Fuck, und was jetzt?

2. Kletterer:       Entweder du kletterst rauf oder runter.

1. Kletterer:       Das schaffe ich nicht, ich flieg hier gleich raus.

2. Kletterer:       Oh, da fällt mir gerade ein, ich habe zu Hause noch einen Kuchen im Ofen, der wird schwarz, wenn ich den nicht raushole. Also ich geh dann mal, viel Vergnügen noch. Hängt sich aus und geht.

1. Kletterer:       Hilfe! Fällt runter und bleibt bewegungslos liegen.

Erzähler:              Es traf sich aber, dass doch noch andere humanoide Wesen sich im Wald herum trieben. Tantchen Liselotte aus Dresden war nämlich an diesem Tag mit ihrer Freundin Hildegard vom DAV Hamburg-Niederelbe wandern und zeigte ihr ein wenig die Sächsische Schweiz.

Liselotte:             Ist es auch nicht zu anstrengend Hildegard?

Hildegard:           Nein, nein, ich bin ja bergerfahren.

Liselotte:             Du hast in deinem ganzen Leben noch nie die norddeutsche Tiefebene verlassen.

Hildegard:           Ja, aber ich bekomme seit zwanzig Jahren jedes Jahr den Jack Wolfskin-Katalog, das zählt auch.

Liselotte:             Oh mein Gott, was ist das denn? Die beiden sehen die Leiche und beginnen hysterisch zu schreien.

Hildegard:           Feuerwehr! Zwei Polizisten erscheinen.

1. Polizist:           Guten Tag, wir sind von der Polizei und waren gerade zufällig in der Nähe.

2. Polizist:           Wir haben in den Schrammsteinen die Parkuhren abgelesen und Falschparker angezeigt.

1. Polizist:           Ein schweißtreibender Job, aber was ist hier eigentlich los?

Liselotte:             Naja, die Dame dort drüben erscheint mir nur bedingt agil.

1. Polizist:           Oh, Tatsache, was ist denn passiert?

Hildegard:           Wir kamen hier her und sahen plötzlich diesen Körper. Das ist alles.

2. Polizist:           Ich liebe Tatort, es passiert einfach nie das Gleiche. Sie können gehen. Liselotte und Hildegard verschwinden.

1. Polizist:           Na, dann wollen wir doch mal sehen. Beugt sich über die Leiche und klopft ihm auf die Wange. Hallo, jemand zu Hause? Hm, gerade nicht. Es scheint sich jedenfalls um einen Einheimischen zu handeln, er trägt kein Chalkbag.

2. Polizist:           Irrtum, ich habe hier in seinem Rucksack eine volle Bierflasche gefunden. Kein Sachse würde es wagen diese Welt zu verlassen, bevor er nicht sein Bier ausgetrunken hat.

1. Polizist:           Ich denke wir sollten die Gerichtsmedizinerin einen Blick auf ihn werfen lassen. Meines Wissens treibt sie sich auch gerade in diesem Wald herum und obduziert depressive Hirschkäfer. Frau Gerichtsmedizinerin!

Medizinerin:      Was gibt’s?

1. Polizist:           Sehen sie sich doch bitte einmal den Herren dort drüben an.

Medizinerin:      Mit Vergnügen. Er beugt sich über ihn und summt bei der Arbeit „Atemlos durch die Nacht“ vor sich hin. Nun, dank meiner jahrelangen Erfahrung kann ich ihnen sagen: Dieser Mann ist tot.

2. Polizist:           Faszinierend, wie die Drehbuchautoren nur immer wieder auf diese überraschenden Wendungen kommen?

Medizinerin:      Ich stütze meine Theorie auf drei Indizien: 1. Bewegt er sich nicht, 2. Verfügt er über keinen Puls mehr und 3. Habe ich noch keine Faust im Gesicht, obwohl ich ihm seit 20 Sekunden permanent Helene Fischer ins Ohr summe. Während die ersten beiden Punkte noch gar nichts bedeuten müssen, ist der dritte im wahrsten Sinne des Wortes ein Totschlagargument. Selbst eine Patientin, die alle meine Kollegen schon für hirntot erklärt hatten, erwachte bei diesem Test wieder und brach mir mit einem gezielten Uppercut die Nase.

1. Polizist:           Dann vielen Dank, ich denke sie können zu ihren Hirschkäfern zurückkehren.

Medizinerin:      Wunderbar, ich hasse verspätete Malzeiten.  Ab

1. Polizist:           Und was machen wir jetzt?

2. Polizist:           Kaffee trinken, ich hab noch nie von einem Krimi gehört, in dem das die Kommissare nicht tun würden. Beide ab

Erzähler:              Plötzlich erhielt die Geschichte dann eine Wendung, die zwar völlig unlogisch, aber immerhin nicht vorhersehbar war: Die Bundeskanzlerin tauchte auf Angela Merkel erscheint in Begleitung einer 2. Person, wobei sie ihre Hände permanent in der typischen Rautenform hält. Diese war gerade mit einem reichen Wilderer auf Schwarzstorchjagd und betrieb Lobbyistenpflege erster Güte.

Wilderer:            Jetzt laufen wir schon drei  Stunden durch diesen verfluchten Wald und das einzige Tier, dass wir zu Gesicht bekommen haben ist ein Schmetterling. Aber was soll’s, wie sagte doch mein Vater immer: „Wenn das Leben nur Zitronenfalter gibt, mach wenigstens Limonade draus.“

Merkel:                               Jaja die kleinen gelben Dinger. Mit der FDP hab ich es ja ganz genauso gemacht. Aber was ist das? Sie entdeckt die Leiche Tote Steuerzahler? Das kann ich nicht dulden, ich verlange, dass unter jedem dieser Felsen ein Rettungsschirm aufgespannt wird.

Wilderer:            Und du meinst das hilft?

Merkel:                               Naja, wenn das noch nicht genug ist können wir ja noch ein paar rautenförmige Ringe stiften. Dann machen wir gleich noch Werbung.

Wilderer:            Siehst du das Angie? Da hinten ist ein Storch!

Merkel:                               Halali, meinem Würgegriff entzieht sich niemand Sie streckte ihre Hände in der Rautenform vor und läuft mit dem Wilderer von der Bühne. Die beiden Polizisten erscheinen wieder.

1. Polizist:           Und jetzt? Wir sind immer noch nicht weiter.

2. Polizist:           Naja ich werde mir den Knaben nochmal anschauen, vielleicht haben wir bisher ja was übersehen. Er beugt sich über ihn. Oho, aha, ist das etwas ein Grigri? Er beginnt ihm sämtliches Material vom Gurt zu nehmen und in seine Taschen zu stecken. Und Exen, die sehen noch ganz neu aus und ein paar gute Schraubkarabiner, fantastisch!

1. Polizist:           Äh, was machst du da?

2. Polizist:           Ich erbe!

1. Polizist:           Also schön, dann schreibe ich halt einfach in den Bericht, der Tote sei beim Klettern von fliegenden Säbelzahntigern überrascht worden, die ihn mit 6-Zylindermotoren beworfen hätten, was bei ihm einen Zuckerschock hervorrief, da er leider über eine Laktoseintoleranz verfügte. Nach 45 Jahren Tatort, muss man schon Kreativität zeigen, um noch was Neues zu finden. Außerdem ist das Schöne an verworrenen Fällen, die man gar nicht nachvollziehen kann, dass ganz Deutschland Montagmorgen erzählen wird, wie genial das doch alles aufgebaut war und jeder sagen wird, er hätte es verstanden, bloß um nicht als Idiot darzustehen.

Treffen junger Bergsteiger 2014

Bericht: zum 44. Treffen junger Bergsteiger

Ort: Sachsen, Burg Hohnstein

Datum: 28. Mai –  1. Juni 2014

Autoren: Ulrike Koch, Thomas „Max“ Hartung-Aubry

 

44. Treffen junger Bergsteiger in Sachsen 28.Mai bis 1. Juni 2014

Bereits nach der Teilnahme 2013 war klar: Wir kommen wieder! Diese Veranstaltung ist etwas Besonderes: Das Basislager, die Burg Hohnstein liegt in grandioser Umgebung. Nicht das Klettern alleine ist gefragt, sondern die ganze bergsteigerische Theorie und Praxis. Die Ausrichter treten dabei nicht nur als Kampfrichter auf, sondern wollen auch Wissen vermitteln. Und nicht zuletzt sorgt die herzliche Atmosphäre dafür, dass wir Nordlichter uns dort sehr willkommen fühlen.

Nach monatelanger Vorbereitung war es soweit.  Mit dem DAV-Jugendbus, den wir dankenswerter Weise nutzen konnten, ging es Richtung Sachsen, inklusive Stopp bei McDonalds.

Nach der Eröffnung im Burggarten und Abendessen fand die allabendliche Planungsrunde für Betreuer und Kampfrichter statt und wir erfuhren, dass der erste Tag wetterbedingt unter dem Motto Seiltechnik und Kletterführer stand.

Do. 29.05. - 1. Wettkampftag

„Das machen wir sogar freiwillig!“, war eine der wenigen Äußerungen beim ansonsten recht wortkargen Frühstück um 6:00h bevor Busse uns zu den eingerichteten Parcours im Schrammsteingebiet brachten. Der horizontale Nieselregen erinnerte uns zwar ein bisschen an zu Hause, aber andererseits brauchen kalte Finger für einhändige Knoten einfach länger. Aber diese Spezialität muss man in Sachsen einfach beherrschen, wenn man mobile Sicherungen mit Schlingen legt. Gefragt waren auch die Selbstrettung , das Abseilen und der Standplatzbau. Letzteres natürlich mit der sächsischen Spezialität der Baustelle (Der Kletterer steigt auf die Schultern seines Partners, um Reichweite zu gewinnen). Sehr beliebt war auch die Rettung zweier einsamer Stücke Schokolade von einer Insel inmitten eines imaginären Säuresees. Klar, hierbei ist erstklassige Seiltechnik gefragt. Jeglicher Kontakt mit der Säure ist unangenehm und führt außerdem  zu Punktabzug. Marvin und Janosch zeigten den Kampfrichtern, wie schnell zwei Hamburger Jungs mit einem Tüddelband umgehen können und legten Bestzeit vor. Allerdings führte ein kleiner technischer Schnitzer letztlich zum dritten Rang in dieser Disziplin.

Gut gelaunt, trotz Regen, ging es wieder auf die Burg. Nach der willkommenen, heißen Dusche und dem Abendessen gab der sächsische Schriftsteller Peter Brunnert einige seiner Anekdoten zum Besten und bescherte allen einen humorvollen Ausklang des Tages.

Fr. 30.05. 2. Wettkampftag

Dieser Tag stand unter dem Zeichen von Erster Hilfe, Wissen und Findigkeitslauf.

Es sei erwähnt, dass die erste Hilfe unter den Veranstaltern sehr beliebt ist, weil man sich von Maskenbildnern mit realistisch aussehenden Wunden und Filmblut versehen lassen und sein schauspielerisches Talent ausleben kann.

Bei der erste Hilfe gilt es, viel zu beachten: Von der Analyse der Situation über die Anwendung der Maßnahmen bis zum korrekten Notruf und dem Spenden von Trost.

 

Zwei unserer Teams (12 J.) durften einen offenen Schienbeinbruch behandeln.  Obwohl klar war, dass kein echter Notfall vorlag, widmeten die Teilnehmer der Aufgabe engagiert und gaben ihr Bestes um den Verletzten zu helfen.

Kniffeliger war es für die älteren Teams (16 J.): Ein jugendlicher Kletterer und sein Großvater als Sichernder lagen am Boden. Der Kletterer wies Schürfwunden auf und der Sichernde klagte über Bewegungsprobleme des rechten Armes und Beines. Wichtig war hier, einen möglichen Schlaganfall in Betracht zu ziehen und beim Notruf zu melden, weil dann jede Minute zählt.

Den Betreuern des Hamburger Teams hat diese Disziplin ausgesprochen gut gefallen, weil die Kampfrichter unter Leitung eines Mediziners realistische Szenarien geboten und viel Wissen vermittelt haben.

Den zweiten Schwerpunkt bildeten Wissensfragen und Kreativaufgaben. Die Fragen drehten sich um Natur und Gegend und waren aus Betreuersicht schon recht anspruchsvoll. Unsere Seilschaft mit Cora und Robert konnte hier punkten. Sie teilten sich in dieser Disziplin Platz 1 mit einem sächsischen Team und ersonnen diese Zeilen:

Aus Hamburg tuckern wir hinauf die Elbe.
Sind nur hier wegen der T-Shirts in gelbe.
Scheitern erfolgreich an jeder Station.
Es bewahrheitet sich der Name „Stein von Hohn“

Der Findigkeitslauf in der Umgebung der Burg bildete den Abschluss. Auch hier waren die Herausforderungen nach Altersklasse abgestuft. Die Zwölfjährigen erhielten eine Wanderkarte und hatten 5h Zeit, vorgegebene Wegpunkte mit gleicher Punktzahl zu erreichen. Die sechzehnjährigen Teilnehmer erhielten eine topografische Karte und sollten, Wegpunkte mit unterschiedlicher Punktzahl binnen 3h erreichen. Punktabzug drohte beiden Gruppen bei Zeitüberschreitung. Marvin und Janosch absolvierten den Lauf ortsunkundig mit der drittbesten Zeit in der Gesamtwertung.

Jedes Team kann im Vorprogramm der Preisverleihung einen Unterhaltungsbeitrag präsentieren, egal ob Sketch, Tanzeinlage oder Gesang. Unser Team entschied sich, unter der Regie von Robert für Romeo und Julia in Kurzfassung: Angesehene Hamburger Boulder-Familie trifft auf alteingesessene Kletterfamilie aus Sachsen. Also wurde am Nachmittag emsig geprobt.

Sa. 31.05. 3. Wettkampftag und Siegerehrung

Sonnabend belohnte uns das Wetter und es ging zum Klettern an die Wildensteinwand und Zyklopenmauer.  Weicher Sandstein birgt die Gefahr, dass Kletterrouten stark abnutzen, über die Jahre immer schwerer werden und am Ende gar nicht mehr benutzbar sind. Daher gebietet die sächsische Kletterethik einen sauberen, flüssigen Kletterstil. Abrutschen, Sandrieseln oder gar Abbrechen sind verpönt. Das Elbstandsteingebirge ist zudem ein Dorado für Risskletterei, bei dem der ganze Körper gefragt ist.

Wir haben uns trotz ungewohnter Bedingungen gut geschlagen. Insbesondere seien die Sandstein-Newcomer Lineke und Joanne (12 J.) genannt, die sich im Mittelfeld positionieren konnten. Technisch bemerkenswert ist die Leistung von Janosch, der eine kniffelige Rissroute im Gegensatz zu den meisten Einheimischen sturzlos meisterte. Die hervorstechensten Einzelleistungen der Pflichtwege lieferten Niklas und Lineke ab. Besonders erwähnt sei auch Cora, die zum ersten Mal überhaupt im Fels geklettert ist und jede Herausforderung angenommen hat.

Nach dem Abendessen kündete der dicht gefüllte Saal mit gut gelauntem Publikum von den nahenden Kulturbeiträgen und der Siegerehrung. Wir bildeten den Abschluss von insgesamt sechs Beiträgen. Von Stehgreif über Kurzstücke mit Kostümen und aufwändige Videos war alles dabei. Das Publikum bedachte die Mühe und Zeit, die einige Gruppen in die Vorbereitung gesteckt hatten, mit viel Applaus und Lob. Hier und da flackerten über die Gesichter unserer Truppe Zweifel, ob unser Beitrag im Vergleich bestehen würde. Aber dann war keine Zeit mehr zum Nachdenken. Wir hatten die Bühne für uns und gaben unser Stück zum Besten. Niemand von uns hatte mit einer so positiven  Publikumsreaktion gerechnet, sogar Szenenapplaus wurde spendiert. Bei der Siegerehrung ist zwar niemand aus unserem Team berücksichtigt worden, aber das hat der Freude an diesem Ereignis keinen Abbruch getan.

So. 01.06. Abreise

Wenn man so viel erlebt, läuft die Zeit immer schnell uns schon saßen wir beim abschließenden, ausgedehnten Frühstück. Es schien, als wollten wir gar nicht so recht nach Hause. Fest steht, dass wir ein tolles Erlebnis teilen können und alle beim nächsten Mal gerne wieder dabei sein wollen. Ein gutes Gefühl!

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