Koala-Kinder erobern den Ith: kleine Geschichte einer artgerechten Auswilderung

„Koalas sind kräftige Kletterer mit schlanken, muskulösen Körpern. Junge Koalas sind einige Zeit nach der Entwöhnung gezwungen, das Revier ihrer Mutter zu verlassen.“ Da hat Wikipedia recht, und für unsere „Koala-Kinder“ war es drei Jahre nach Gründung der Gruppe höchste Zeit zur artgerechten Auswilderung. Im September starteten wir kurzentschlossen in den Ith. Um es vorwegzunehmen: Die zehn gar nicht mehr so kleinen Koalas haben sich in ihrem neuen Revier bestens zurechtgefunden. Obwohl sowohl Himmel als auch Griffe grau in grau waren. Aber der Reihe nach.

Da der Sommer – zumindest gefühlt –längst zuende war, steuerten wir das Naturfreundehaus Lauenstein bei Salzhemmendorf an (www.naturfreundehaus-lauenstein.de, sehr zu empfehlen). Den DAV-Bus hatten uns leider schon die Felsentänzer für ihre Harz-Fahrt weggeschnappt (dafür gab’s dort Dauerregen – ist das gerecht?). Aber mit kreativer Organisation und der Unterstützung von Lara und Pablo landeten wir am Freitag Abend gut gelaunt und wohlbehalten im Weserbergland. Punkt eins der Entwöhnung: getrennte Schlafhöhlen - eine Blockhütte für die Mädchen, eine für die Jungs und eine für die Erwachsenen. Abenteuer Nr. 1: an Schlaf war erst mal nicht zu denken, da mit Einbruch der Dunkelheit die Feuersalamander aus ihren Löchern und um die Hütten krochen: ein seltenes Schauspiel, von zehn Kindern in Pyjamas aufgeregt bestaunt.

Der Start in den Samstag: Fütterung im Naturfreundhaus, garniert mit lautem Gesang, Kerzenlicht, Konfetti und Naschis. Denn Lia, Koala-Kind der ersten Stunde, hatte es sich nicht nehmen lassen, ihren 10. Geburtstag mit der Koala-Bande zu verbringen. Nach der Erkundung des Reviers rund ums Haus und der Klettermaterialausgabe ging’s endlich los zum Fels. Wetterbericht und dunkle Regenwolken verhießen zwar nichts Gutes. Aber die Wolken entluden sich überall, nur nicht über unserem Fleckchen Bergland. Und das sollte auch am Sonntag so bleiben.

Also los zu den Marienauer Klippen. Die waren nach kurzem Fußmarsch (oder ätzender Ausdauerwanderung, je nach Sichtweise) und in Begleitung der beständig miauenden Hauskatze, die uns bis zu den Felsen folgte, schnell gefunden. Kekse platziert, Verstecke gebaut, erster Kontakt mit echtem Fels aufgenommen, Topropes eingerichtet: und ab ging’s nach oben. Höhepunkt und Abschluss des abwechslungsreichen Klettertages: 30m Abseilen an den Fuß der Klippen. Vor allem der Schritt über die Kante verlangte den Koala-Kindern einiges an Überwindung ab. Richtig abgeseilt hatte vorher noch keines der Kinder. Aber mit vereinter Motivation, angespornt und ermutigt kamen alle um ein deutliches Stück größer am Wandfuß an.

Bis zum Einbruch der Dunkelheit bot das neue Bären-Revier rund um das Naturfreundehaus Abwechslung aller Art: Trampolin, Kletterwand, Wiese, Obstbäume – alles da für’s perfekte Koala-Kinder-Glück. Mit Händen voller Lehm vom nahegelegenen Feld lebten die weiblichen Koala-Kinder ihre kreative Ader aus. Zahlreiche Miniaturfigürchen und Tierchen entstanden - und auf der Hütten-Veranda ein Teppich aus festgestampften Lehmresten.

Koalas in freier Wildbahn ernähren sich ausschließlich von Eukalyptusblättern. In Ermangelung letzterer frisst das domestizierte Tier aber auch gerne Fleisch und allerlei Grillgut. Und das in großen Mengen, da Bewegung an frischer Luft bekanntlich hungrig macht. Der restliche Abend verlief in gewohnter Manier: im Mädchenhaus wurde bei aufgedrehtem Radiator und gefühlten 30° Raumtemperatur geklönt, Tee getrunken und gebastelt. Die Jungs tobten durch die Nacht und patschen mit ihren Dreckpfoten durch’s Bastelparadies. Amüsiert haben sich trotzdem alle prächtig. Und lautstark.

Schließlich der Sonntag. Über den Wäldern hatten sich dunkle Regenwolken drohend zusammengeballt. Was tun? Ganz einfach: ab mit den Wolken in den Harz (mit schönen Grüßen an die Felsentänzer) und los zum Zirkus, einem Kletteridyll im nahegelegenen Kanstein. War’s das Wetter? Jedenfalls hatten wir die kleine Kletterarena fast für uns alleine. Die Koala-Mädchen werkelten stundenlang und ungestört an ihrem eigenen kleinen Felstürmchen rum, der Rest zog sich die Finger an zahlreichen Routen lang, erkundete Felsspalten und kleine Höhlen, probierte sich an Sicherungen und Knoten.

Gut, dass der Regen erst auf der Autobahn einsetzte und bis Hamburg nicht wieder aufhörte. Pünktlich zurück am Kletterzentrum nahmen die Eltern eine aufgedrehte Bande deutlich gewachsener Koalas in Empfang: glücklich, dreckig, ausgepowert. So, wie sich’s halt für eine richtige Jugendausfahrt gehört.

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