Jugend-Sportklettercamp mit Erlebniskick
Zwei Wochen auf dem weltbesten Abenteuerspielplatz
Reiseberichte haben ja meist etwas Beschönigendes. Oder sehen großzügig über die Wehrmutstropfen und –tröpfchen hinweg. Bei unserer ersten gruppenübergreifenden Jugendfahrt nach Südfrankreich wollen wir ganz ehrlich sein – und müssen zugeben: Es war von Anfang bis Ende eine runde Sache, eine abenteuerliche und von vorne bis hinten erlebnisreiche Reise. Und all jenen, die vorher geunkt hatten: dass es viel zu heiß sei im Sommer, dass der Chassezac – ein Nebenfluss der Ardêche – bestimmt kein Wasser habe, dass die Felsen abgespeckt oder die Routen viel zu schwer seien, sei gesagt: stimmt nicht! Das Wetter war angenehm warm (das nennt sich übrigens Sommer), wir hatten einen wunderbaren Badestrand direkt vor der Nase, reichlich Klettergebiete in allen Höhen und Schwierigkeitsgraden – und fünf fitte, gutgelaunte Jugendliche (León, Kyla, Lorenz, Helene und Joshua), die jeden Tag ein neues Highlight aus dem Hut zauberten.
Und damit das alles nicht in undifferenzierte Lobhudelei ausartet, hier ein paar Eindrücke aus zwei Wochen.
Samstag, 23. Juli, Start pünktlich um 4.30 Uhr am Kletterzentrum im Regen. Zwischenstopp in Freiburg, Bouldern im Stadtzentrum am Martinstor mit Sonne, Beifall, Kopfschütteln - jedenfalls mit viel Publikum. Am Sonntag nach 1350 km endlich da: auf dem Campingplatz Mazet Plage, direkt am Fluss Chassezac im Ardêche-Gebiet. Auspacken, Zelte aufbauen, Essen – und dann ab ans Wasser. Aber weil „nur baden“ ja ziemlich langweilig ist, seilen sich die Jungs gleich mal über den Fels am gegenüberliegenden Ufer ab und hängen eine Seilschaukel auf. Die ist und bleibt über die ganzen zehn Tage die absolute Badeattraktion für Hunderte von großen und kleinen Wasserratten. Und führt die ausgemusterten Spielseile einer sinnvollen Verwendung zu…

Am nächsten Tag wird erst mal der „Hausfelsen“ erkundet. Den wollen wir von hinten nach vorn abarbeiten, weshalb die Aktion fast in eine Wanderung ausartet. Endlich – mit Abstechern in Höhlen, Erdlöcher und durch’s Brombeergestrüpp – mit zerschrammten Beinen am Fels angekommen, bleiben uns nur wenige Routen, bevor es zu regnen anfängt. Dafür werden wir tags drauf mit einem maßgeschneiderter Klettertag belohnt: Lorenz und León spulen Zweiseillängen-Touren ab, Kyla macht ohne Gedöns (und mit Bravour) ihren ersten Vorstieg, Helene zieht sich mit unserem „Gruppengast“ Johannes die Finger lang, Joshua, Peddy und Antje betreiben „Felsgewöhnung“. Nach dem Klettern die ersehnte Erfrischung im spektakulären Labyrinth: dort schlängelt sich der Chassezac durch scharfkantige Felsplatten, die wie Puzzleteile das Wasser kanalisieren.
Weil es am Dienstag sporadisch regnet, fällt das Klettern aus. Dafür Einkaufen, Bummeln und Shoppen in Les Vans – und zum Tagesabschluss Klippenspringen 100m flussaufwärts, wo imposante, ausgehöhlte Kalkfelsen über den Chassezac ragen. Absprunghöhen je nach Gusto 9m, 13 m oder 20m. Bei 9m sind alle dabei, alles höhere wird „verboten“. Sollen ja alle heil nach Hause kommen.
Am Mittwoch beginnt endlich der südfranzösische Sommer. Wie bestellt. Trotzdem kletterfrei, denn das absolute Highlight steht auf dem Programm: Brückenspringen, oder besser –swingen an der Flussbrücke neben dem Campingplatz. An alle, die jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: nein, es ist nicht gefährlich, und wer’s tut, tut sich nicht weh und ist nicht lebensmüde. Jedenfalls haben sich alle getraut, auch die „Alten“. Und, das soll verraten sein: der Sprung in den Abgrund haut einem ganz schön das Adrenalin durch die Blutbahn.
Die nächsten Tage verbringen wir damit, wozu wir eigentlich da sind, nämlich mit Klettern: Im Zauberwald, der mit seinen verwunschenen Felstürmchen und Grüppchen seinem Namen alle Ehre macht, der in keinem Führer verzeichnet ist und den wir nur über einen „Geheimtipp“ unseres Duisburger Guides Kalli ausfindig machen. An unserem „Hausfels“ in Mazet Plage, in nur 5 min. zu Fuß zu erreichen. Und „gegenüber“ in Actinidias, wo’s wahlweise wirklich mal abgespeckt – oder richtig schwer ist.
Kalli verhilft uns übrigens zu einem weiteren Kick: Einen Nachmittag verbringen wir im Klettersteig, der sich quer durch’s Wandmassiv zieht und über eine versteckte Abseilpiste durch eine Höhle zu erreichen ist. Großartige Kulisse, grandiose 50m-Abschluss-Abseile direkt ans Wasser, wo der Tag endet, wie er enden muss: mit endlosem Geplansche, Getobe, mit Hüpfen, Springen, Schwimmen und in der Sonne aufwärmen, bis sich selbige verabschiedet.
Am vorletzten Tag geht’s noch mal richtig zur Sache, allerdings nicht am Fels, sondern mit einem Paddelmarathon auf der Ardêche. Natürlich hat sich unsere erlebnishungrige Meute– wie vorauszusehen –für die mit 32km längste Strecke entschieden. Gelohnt hat es sich allemal: Auch wenn uns nach acht Stunden paddeln ohne nennenswerte Pause fast die Arme abfallen, bleiben die grandiose Schlucht und die atemberaubende Landschaft in bleibender Erinnerung.
Entsprechend mau fällt der letzte Klettertag aus, bei dem dann doch noch das Crashpad zum Einsatz kommt: Zwischen den Felsen im Zauberwald aufgehängt, dient es zweckentfremdet als Nest zum Abhängen, Chillen und die müden Glieder recken. Kaum zu glauben: Was Brücken- und Klippenspringen, Hardmoves und Klettersteig nicht geschafft haben, der Paddelmarathon hat’s gebracht: Die Jugendliche sind erschöpft und hängen – im Wortsinn – in den Seilen.
Tja, und dann geht’s leider und schon wieder gen Norden, der uns gebührend empfängt. Kaum haben wir die Grenze nach Deutschland überquert, gießt es in Strömen. Kleiner Trost: Zwischenstopp auf dem Kandel im Schwarzwald auf 1100m Höhe mit Übernachtung in der Bergwachthütte, in der der Kachelofen (!) schon bullert und die Pizza schmeckt. Das hatten ausnahmsweise mal Peddy und Antje arrangiert, die auf dem Campingplatz ruhige Abende mit Aljoscha und Simone aus Freiburg verbrachten, während sich das Jungvolk in der Campingplatzdisco vergnügte.
Ach ja, einen Wehrmutstropfen gibt es dann doch: Fast 1400 km Entfernung zum weltbesten Abenteuerspielplatz sind definitiv zu weit. Deshalb, liebe Sektion: Mach mal hinne und hol endlich die Berge in den Norden! Das versprichst du uns doch ständig. Und solltest du das nicht hinkriegen, liebe Sektion: Dann fahren wir halt im nächsten Jahr drei Wochen!








