Neun Tage auf dem Rothaarsteig

Heft 2, April/Juni 2010: Auf  der Titelseite war zu lesen:
„Wir holen die Berge in den Norden“.
Gute Idee! Wir hatten sogar schon kurz vorher beschlossen, so etwas zu tun
.
Als passend fanden wir das Rothaargebirge. Das Rothaargebirge ist der höchste Gebirgsrücken im Gebiet zwischen Rhein und Weser. Es beginnt im S mit dem Ederkopf, dem Quellengebiet von Eder, Lahn und Sieg. Es zieht sich nach N, schwenkt dann doch in nordöstliche Richtung. Besonders ist der Kahle Asten (841 m) bekannt, aber auch der Langenberg (843 m), der höchste Berg. Das Rothaargebirge ist eine bedeutende Wasserscheide. Die Gewässer des Ost- und Südosthanges fließen durch Eder und Fulda zur Weser, während die Bäche an den westlichen Abhängen von Lenne und Ruhr gesammelt werden und zum Rhein geführt werden.- Also: Rothaargebirge und Rothaarsteig reizten uns! Über km-Länge später. Die Wandergruppe N (7 Personen, davon 3w und 4m) plante: Rothaarsteig; 21.-29.04.2010; Start in Brilon mit Ziel Dillenburg; wandern zu Fuß mit Rucksack, aber auch zusätzlich Gepäcktransport zum nächsten Übernachtungsort (Hotel, Pension); Lunchpaket soll es gegen geringen Aufpreis geben.

1. Tag; 21.04.; Abfahrt um 08:24 Uhr in HH-Hbf., Umsteigen in Kassel-Wilhelmshöhe und Warburg, Ankunft um 12:21 Uhr in Brilon-Wald; Etappe: Brilon-Wald – Brilon (Hotel am Rande); 13 km.
7 km hätten gereicht, aber unser Wanderführer Günther hat wohl gedacht: „Wir müssen mal etwas trainieren!“ Es werden also 13 km durch den finsteren Brilon-Wald. Es schneit; es ist sehr kalt. Karl May hätte sich gefreut, zu sehen, dass Günther wie Old Shatterhand mit Geschicklichkeit führt, z. T. ohne Wege durch den Wald, auch mal quer durch eine Schlucht. Jürgen ist begeistert. Günther findet wie üblich das Ziel. Hat Elke da etwa Zweifel gehabt?! Zur Erholung gibt es im Hotel u. a.  den ermunternden „Brilon-Wald-Schnaps“.

2. Tag; 22.04.; Etappe: Brilon – Willingen;  28 km.

Gutes Frühstück! Das Wetter ist besser geworden, aber es ist immer noch recht kalt. Wir wandern zum Marktplatz von Brilon, und hier beginnt offiziell der Rothaarsteig. Die Genusswanderung beginnt! Es wird schon etwas steil, es geht in den Wald. Wir erreichen u. a. die Ruinen des „Borgbers Kirchhof“. Die Lichtung ist auch von einer frühmittelalterlichen Wallanlage umgeben. Bei einer kleinen Kapelle gibt es gute Aussicht. Nach einigen Kilometern beginnt eine „Kletterpartie“, eine der steilsten Abschnitte des gesamten Rothaarsteigs. An einem etwas schwierigen Aufstieg gibt mir Elke etwas Sicherheit. Vielen Dank!  Wir erstürmen dann den Ginsterkopf; wunderbare Aussicht! Dann geht es abwärts. Hier und im ganzen Bereich des Rothaargebirges hat der Orkan „Kyrill“ am 18./19. Januar 2007 getobt; Lichtungen und Baumreste zeigen es immer noch deutlich. Wir erreichen die „Feuereiche“. Ihr Stamm ragt 11 m in die Höhe und ist versehen mit Schnitzereien. Diese sollen die Menschheitsgeschichte  und die Nutzung des Feuers darstellen. Nicht lang ist der Weg, und wir erreichen und genießen die fast senkrecht hohen „Bruchhausener Steine“, Porphyrfelsen, entstanden aus vulkanischer Lava aus der Devonzeit. Dann geht’s bald wieder bergauf und nach ca. 5 km erreichen wir den berühmten „Richtplatz“. Dieser diente in früheren Zeiten als Gerichtsstätte  des kurkölnischen Gaugerichts. Nun geht’s runter nach Willingen, rein in unser Hotel. Wir genießen Kaffee, später ein gutes Abendessen. Danach sitzen wir gemütlich zusammen, rückblickend und planend.

Nicht alle Etappen kann ich gründlich beschreiben; der Platz fehlt. Also: Kurzbeschreibungen!

3. Tag; 23.04.; Etappe: Willingen – Winterberg; 23 km.

Weg: „Richtplatz“ – Langenberg (der höchste Berg; 843 m) – Heidelandschaft – Clemensberg mit Gipfelkreuz – Ruhrquelle – Winterberg.

4. Tag; 24.04.; Etappe: Winterberg – Kühhude; 18 km.

Weg: Winterberger Skisprungschanze – Kahler Asten (841 m) – dort Wald- und Heidelandschaft – Lennequelle – Skulpturen – Kühhude (Übernachtung in Bad Berleburg).

5. Tag; 25.04.; Etappe: Kühhude – „Rhein-Weser-Turm“; 21 km.

Weg: Kühhude – Hängebrücke – Großer Kopf – „Millionenbank“ – Sombornquelle – „Margaretenstein“ – „Rhein-Weser-Turm“.

6. Tag; 26.04.; Etappe: „Rhein-Weser-Turm“ – Lützel; 19 km.

Weg: „Rhein-Weser-Turm“ – NSG Schwarzbachtal  - Ferndorfquelle (Energiequelle für Eisengewerbe, 16. Jh.) – Ruine Ginsburg – Lützel.

7. Tag; 27.04.; Etappe: Lützel – Lahnhof; 17 km.

Weg: Lützel – Eder – Ederquelle – „Kohlenstraße“ (im Mittelalter wurde dort Holzkohle transportiert) – Siegquelle – Ilmquelle – Lahnhof (Lahnquelle).

8. Tag; 28.04.; Etappe: Lahnhof – Wilgersdorf; 24 km.
Weg: Lahnhof/Lahnquelle – Waldfriedhof – Ilsequelle (Heilquelle!) – „Kaffeebuche“ - Dillquelle – Tiefenrother Höhe  (Aussichtspunkt!) – Wilgersdorf.

9. Tag; 29.04.; letzte Etappe: Wilgersdorf – Dillenburg; 24 km.

Warmes, wunderbares Wetter, schöne Wege, erfreuliche Wälder. Wir wandern vorbei an der „Lucaseiche“, sie ist ca. 220 Jahre alt. Es geht allmählich abwärts; wir kommen langsam in die offene Wiesenlandschaft. Wir durchqueren Rodenbach; weitere Kilometer, und wir erreichen ganz allmählich unser letztes Ziel: Dillenburg. Wir genießen das Zentrum der Stadt, die Sehenswürdigkeiten, z. B. den Wilhelmsturm und die alten Fachwerkhäuser, und erholen uns vor einem Café mit Kaffee und Kuchen, gestiftet von Elke und Joachim!

Zusammenfassung und einige Ergänzungen:

Wir haben den Rothaarsteig erobert. Es war eine anspruchsvolle Wanderung: 187 km zu Fuß, ca. 4.200 Aufstiegshöhenmeter! Hervorragende Wege, gutes Wegeleitsystem, helfende Ranger, kleine Stolpersteine, viele Quellen, riesige Wälder, Gastlichkeit, ergonomisch geformte Bänke usw. Wir waren eine sehr gute, fröhliche Gruppe in jeder Beziehung. Wandern wollten und konnten wir alle, und wir haben alles geschafft. Schon zum Frühstück kamen wir schon immer viel zu früh, wir wollten ja los in die Wälder! Na ja, manchmal stolperten wir mal, oder ein Fuß tat weh, oder Kopf und Holz prallten mal zusammen, oder beim Steilstück musste man aufpassen. Zur Not gab es Hilfe sogleich. Apropos Hilfe etc.: Spezialisten für Café, Kuchen und Lidl waren Christa und Uwe. Kuchenstifter, Zeitungs- und Fußballspezialist war Joachim. Kletterhilfe, Hotelspezialistin, Siegerin im Brilon-Wald war Elke. Jürgen war Spezialist für Schluchtquerung, Bild-Zeitung und Assistent für Ablesung der geschafften km. Karin, das war Fröhlichkeit. Sie war Spezialistin für Kompass und Kartenstudium, für N/S-Findung usw. Der Wanderführer Nr.1 war Günther: Er war Spezialist für Kompass und Kartenstudium, er fand alle Wege und erreichte alle Ziele. Die geplanten Kilometer-Entfernungen bis zum Ziel stimmten immer, manchmal mit Hilfe von klug eingesetzten „Sonderkurven“. Günther behielt sogar die Nerven, als die DB recht chaotisch unsere Rückfahrt nach Hamburg vermasseln wollte. Vielen Dank, Günther, für alles!

Offizielles „Rothaarsteiglied“ (2. Strophe)


Mit Rucksack und mit Wanderstock
so wie es mir gefällt,
erlebe ich bei jedem Schritt
dies herrlich Stückchen Welt.
Und oben auf dem Rothaarkamm
da schau ich gar zu gern,
herab in manches schönes Tal
und weithin in die Fern.


Jürgen Ruben (20.05.2010)

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